Let it be – Julia von Miller, Anatol Regnier und Frederic Hollay

Sonntag, 12. Februar 2017 - 18:00

Theater Hofspielhaus

Die drei entführe uns in die 70er. | Foto: C.A. Hellhake.

Die drei entführe uns in die 70er. | Foto: C.A. Hellhake.

Let it be

- Julia von Miller, Anatol Regnier und Frederic Hollay

Die 70er, das Jahrzehnt des großen Ausprobierens. Die Farben werden greller, die Haare länger, die Höschen enger, die Hosenbeine weiter, die Anzugrevers breiter. Männer stricken Socken, Frauen rufen „Mein Bauch gehört mir!“, die Kleinfamilie ist tot, es lebe die Kommune. Wer sich von Hemmungen befreien will, sucht Hilfe in der „Urschrei-Therapie“, wer mit seiner Herkunft hadert, kauft einen Titel bei Consul Weyer, der sich täglich mit Nussöl einreibt und deswegen so schön ist. Die Pornographie wird erlaubt, in Frankfurt tobt der Häuserkampf, Theo Albrecht wird entführt und freigelassen, Paul Getty Junior auch, aber mit einem Ohr weniger. Die RAF mordet, Otto Schily verteidigt, Uri Geller biegt Gabeln, Elizabet Teissier schaut in die Sterne. Die Wälder drohen zu sterben. Die Zeitschrift „Emma“ wird gegründet, Joseph Beuys Badewanne wird als Bierkühler zweckentfemdet und Paul Bocuse’ Nouvelle Cuisine räumt mit der überholten Vorstellung auf, dass man von einem teuer erkauften Restaurant-Essen auch satt werden sollte. Heinrich Böll ist das Gewissen der Nation, Otto Waalkes nennt ihn Henry Wauwau und sorgt auch sonst für Heiterkeit. Die ist auch nötig, denn das Wirtschaftswunder ist vorbei, Neckermann macht’s nicht mehr möglich, sondern pleite, und es gibt – wer hätte das gedacht? – eine Million Arbeitslose! Das erzeugt Angst und Unsicherheit, die deutsche Unterhaltungsindustrie hält dagegen. Nicht Let it be, sondern verlässliche Romantik. Die 70er, das Jahrzehnt der platten deutschen Schlager.

Aber halt, nein, das stimmt nicht. Auch sie erzählen Geschichten, auf ihre Weise, von einer Zeit und einer Gesellschaft, die so war, wie sie war. Wir wollen sie nicht verachten, die Schlager der 70er, nein, wir wollen sie lieben.

Und eines muss man zugeben: Ohrwürmer sind sie.

Karten hgibt es hier: http://bit.ly/LetItBeHofspielhaus

Let it be – Julia von Miller, Anatol Regnier und Frederic Hollay was last modified: Februar 9th, 2017 by vollblutTEAM

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