Patrice über Damian Marley, Diplo, die Picard Brothers und Barack Obama

Patrice tritt beim Tollwood Summerjam 2017 auf.

Foto: Patrice / Barron Claiborne

Am 21.6. Startet das Tollwood Festival mit dem Summerjam, unter anderem mit Damian Marley und Patrice. Wir sprachen mit Patrice, der als einer der einflussreichsten Reggae-Künstler Deutschlands gilt, u.a. über Diplo, die Picard Brothers und Barack Obama.

KIB: Patrice, du hast bereits zwei Mal auf dem Tollwood gespielt. Welche Erinnerungen hast du an deine Auftritte in der Zeltstadt?

Patrice: Also sehr gute! Es war immer sehr viel los und das Publikum war sehr euphorisch. Beide Konzerte waren super.

 

KIB: Auch Damian Marley hat mit NAS schon ein Konzert auf dem Tollwood gegeben. Was verbindet dich mit Damian Marley?

Patrice: Das ist einer meiner Lieblings-Reggea-Künstler. Er ist einfach sehr gut. Und letztlich war Bob Marley ein großer Einfluss für mich – ich denke für ihn auch. Ich bin der Meinung Damian Marley ist einfach einer der besten Künstler unserer Zeit.

KIB: Sprechen wir über dein neustes Werk „Life’s Blood“ bzw. die Arbeiten im Studio mit MØ, Diplo und den Picard Brothers. 2008 warst du mit Commissioner Gordon für dein Album „Free-Patri-Ation“ im Studio. Wie bereitet man sich als Musiker auf die Studioarbeit vor? Produzenten bringen ja auch eine eigene Vorstellung mit in das Studio, wie unterscheiden sich die Produzenten in ihrer Arbeitsweise.

Patrice: Man versucht gut zusammenarbeitet und zu harmonieren. Mit Commissioner Gordon war die Zusammenarbeit super, ich war die größte Zeit des Albumprozesses bei ihm zu Hause im Studio und wir haben relativ familiär den kreativen Prozess durchgezogen, das war sehr cool. Und ich hab ja auch viel für Lauryn Hill gemacht – mein erstes großes Vorprogramm war für Lauryn Hill – ihr Sound kommt aus derselben Ecke. Mit Diplo und den Picard Brothers für das neue Album – das sind natürlich auch extrem coole Produzenten, die gerade sehr viel Output haben. Ich mag ihre Musik und sie werden aktuell viel gespielt. Ich habe das als Experiment gesehen, ob man einen gemeinsamen Nenner findet und ob man was Cooles zusammen machen kann. Das hat gerade bei „Burnin Bridges“ super geklappt. Die Arbeitsweise ist eigentlich immer, dass man gemeinsam ausprobiert und wenn es funktioniert, dann arbeitet man weiter und vertieft das Ganze. Meistens funktioniert das mit manchen besser als mit anderen. Man kann nicht davon ausgehen, dass es automatisch klappt, nur weil es ein großer Produzent ist. Das beste Team macht letztendlich den besten Song. Die Menschen müssen zusammenpassen.

KIB: Teamwork und die menschliche Komponenten müssen passen.

Patrice: Ja genau. Man darf dabei kein zu großes Ego haben, man muss an beiden Parteien interessiert sein. Man muss die Musik ganz oben anstellen und sich dann einbringen. Diesen Prozess müssen sich beide, Musiker und Produzent unterordnen. Wenn das gegeben ist, kann ich mit jedem Menschen gut arbeiten.

 

KIB: 2008 hast du in Berlin im musikalischen Vorprogramm von Barack Obama vor über 200 000 Menschen gespielt. Seitdem hast sich unsere Welt stark verändert: Krim Krise, Syrien, Nationalismus in Europa und den USA, über den Klimawandel spricht man überhaupt nicht mehr. Wie siehst du als Weltbürger und politischer Mensch, diese Entwicklung und wo siehst du Hoffnung?

Patrice: Hoffnung (überlegt). Ich glaube die Hoffnung besteht darin, dass man immer nur ein kleiner Teil von einer großen Geschichte ist. Man nimmt sich natürlich sehr ernst. Das muss man auch, jeder ist für sich etwas Besonderes und wir sind eine besondere Generation, aber ohne uns bleibt die Zeit nicht stehen. Egal welche schlimmen Dinge geschichtlich schon passiert sind: Am Ende hat sich die Menschheit immer wieder aufgerafft. Ich hab eine innere Gewissheit, dass es immer weiter geht und dass die Menschheit aus jeder Tragödie stärker hervorgehen wird.

 

Meine Sicht auf Barack Obama hat sich auf jeden Fall geändert. Er war am Anfang ein großer Hoffnungsträger. Und er hat vor allem mit der Krim und Syrien ein paar Aktionen gebracht, die für mich absolut konträr zu seinem Friedensnobelpreis stehen – und somit auch zu seiner Kredibilität. Das tut mir leid, aber das war damals noch nicht abzusehen. Natürlich erwartet man erstmal, dass der Mensch auch das umsetzt was er verspricht – ich zumindest gehe zunächst immer vom Positiven aus, vor allem wenn es um eine Art Umschwung geht. Deswegen war ich 2008 auch dabei – heute würde ich das nicht mehr machen. Nichts desto trotz: Wenn ich auf der Bühne stehe, richte ich mich an die Menschen bin nicht für den Wahlkampf da. Ich sehe da die Möglichkeit vor vielen Leuten zu spielen und meine Botschaft zu unterbreiten. Und selbst wenn sie nur einen Bruchteil mitnehmen ist schon viel gewonnen.
Im Moment ist die Welt ziemlich geladen und es kann so oder so laufen, ich kann dazu keine Prognose abgeben. Auch wenn das jetzt weit hergeholt kling, ich glaube, dass wir aufgrund fehlender Bildung nicht auf unsere jetzige Welt vorbereitet sind. Da ist das das Internet. Wie bewertet man die Informationen? Wie unterscheidet man zwischen richtig und falsch? Welche Quelle steht hinter den Informationen? Traut man sich, aus Angst diffamiert zu werden, noch kritische Fragen zu stellen? All diese Punkte finde ich wichtig und da kann man auf jeden Fall nachbessern.

KIB: Man soll auf jeden Fall politisch bleiben.

Patrice: Absolut, auch wenn es nicht einfach ist. Da brauchen wir vielleicht ein bisschen Hilfe, damit wir besser unterscheiden können, was auf politischer Ebene abgeht und dann im nächsten Schritt auch aktiv werden, weil wir kompetenter wählen, kompetenter einfordern was uns zusteht.

 

KIB: Zurück zum Tollwood Summerjam. Auf was dürfen sich deine Fans freuen?

Patrice: Es wird auf jeden Fall keine Politik geben (lacht), sondern Musik und gute Vibes. Wir versuchen immer das beste Konzert abzuliefern, zudem wir in der Lage sind. Wir haben ja jetzt lange getourt, sind also gut vorbereitet, on top of our game und gut eingespielt. Es wird Sachen aus allen Alben geben und Dinge, die es nur live gibt, wir versuchen das klassische Konzert ein bissen aufzubrechen. Ich will aber nicht zu viel verraten. Es wird auf jeden Fall eine riesen Party!

Für Alle, die diese Party nicht verpassen möchten, haben wir hier die Konzertinfos zum Tollwood Summerjam inklusive Ticket-Gewinnspiel zusammengestellt.

Patrice über Damian Marley, Diplo, die Picard Brothers und Barack Obama was last modified: Juni 1st, 2017 by kulturIMBLOG

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